Fahnen-Patenschaft mit der
Freiwilligen Feuerwehr Haibach

Bürgermeister kniete auf spitzer Kante:
»Werdet bitte Fahnen-Pate«

Autofahrer, die 1987 die Ortsdurchfahrt von Winzenhohl passierten, bemerkten zuerst nur ein Feuerwehrfahrzeug mit eingeschalteter Warnblinkanlage. Beim Passieren des an der Straße abgestellten Fahrzeugs war ein kurzer Blick auf eine seltsame Situation dahinter zu erhaschen. Auf einem etwas erhöhten Podest knieten zwei Männer. Drumherum eine Menge Schaulustiger.

Kniend auf dem Holzbalken

Beim näheren hinsehen: Die Zwei - sie entpuppten sich als Haibachs damaliger Bürgermeister Walter Dietrich und der damalige Kommandant Gottfried Schüßler von der Feuerwehr des Ortes - knient auf dem geschmückten Podest nicht auf bloßem Boden, sondern auf einem quergelegtem Holzbalken.

Die Beteiligten

Bitte der Feuerwehr Haibach um eine Fahnenpatenschaft 1987Der im Querschnitt dreieckige Holzscheit zeigte mit der spitzen Seite nach oben - das Knien war also durchaus beschwerlich. Um die knienden herum zu entdecken: Der damalige Kreisbrand- inspektor Benno Geis, damaliger Bürger- meister von Hösbach und Vorsitzender des Winzenhohler Feuerwehrverein, sowie der damalige Winzenhohler Feuerwehrkommandant Lothar Maier.

Was war passiert?

Bitte der Feuerwehr Haibach um eine Fahnenpatenschaft 1987Was ist der Hintergrund dieser »weißblauen Patenbitte mit Holzscheitknien«? Mitte 1988 bekam die Haibacher Feuerwehr aus Anlaß ihres 110jährigen Bestehens eine neue Feuerwehrfahne.
Für diese Fahne sollen die Floriansjünger von Winzenhohl die Patenschaft übernehmen. Allerdings musste dafür Haibachs Kommandant Schüßler und Feuerwehr-Vorsitzender Walter Dietrich nun auf dem Holzbalken knien und die Patenbitte aussprechen:

»Ihr habt uns vorgemacht wie's geht,
wie's auch mit Fahenenträgern steht.
Das hat uns imponiert so viel,
drum ist's seit langem unser Ziel,
in diesem Punkt Euch nachzutun.«


Untertänig kniend verlasen die beiden Haibacher Vertreter den Text der Bitt-Urkunden.

Die Delegation

Bitte der Feuerwehr Haibach um eine Fahnenpatenschaft 1987Zuvor war eine Delegation von 60 Personen von Haibach aus aufgebrochen. Mit Fakeln und einem Wagen mit Bier, Apfelwein, hausmacher Wurst und Bauernbrot zogen sie Richtung Winzenhohl. Am Hotel »Klingerhof« wartete ein Empfangskomitee. Zu Blechmusik wurde ein Begrüßungsschnaps ausgeschenkt. Bügermeister, Kommandant und Ehrenkommandant Heiner Emmerich von Haibach durften ineiner Kutsche Platz nehmen.

Die Bittprozedur

Bitte der Feuerwehr Haibach um eine Fahnenpatenschaft 1987Dann zog die ganze Gesellschaft zum Feuerwehrhaus Winzenhohl, wo die Bittprozedur ihren Anfang nahm. »Ein bayrisch Bier...soll Nachdruck unserer Bitte sein«. Diese Zeile lässt das anfängliche, gespielte Zögern der Winzenhohler verfliegen, sie deklamieren zurück: »Miä son frou, däss dä hobt der beschwerliche Wäsch uff Eisch genumme«, las Lothar Maier vor. Die Haibacher Bittsteller konnten sich erheben. Noch die Grußworte der Prominenz, dann eilen alle zur Feier ins Feuerwehrhaus.

Der Brauch

Holzscheitknien bei der FFW Pirkhof in der OberpfalzDie Idee von Haibachs Dieter Hock und Roland Kunkel, den aus dem altbayrischen Raum stammenden Brauch (siehe Beispielbild der FFW Pirkhof / Oberpfalz) des Holzscheitkniens einmal im hiesigen Gebiet zu inzenieren, ist bei den um keine Festidee verlegenen Wehren der beiden Orte auf fruchtbaren Boden gefallen. Aber auch die anwesenden Nichtfeuerwehrleute finden, dass das ganze eine gute Idee war, die allemal feiernswert ist.